Neue ECONtribute Studie: Schlechte Betreuung verlängert Arbeitslosigkeit

Bonner Wissenschaftlerin wertete Daten der schweizerischen Arbeitslosenversicherung aus

Arbeitslose, deren Termin mit dem zuständigen Fallmanager des Arbeitsamtes unvorhergesehen abgesagt wird, bleiben im Schnitt zwölf Tage länger arbeitslos. Das hat die Bonner Ökonomin Amelie Schiprowski im Rahmen einer Studie des Exzellenzclusters ECONtribute: Markets & Public Policy der Universitäten Köln und Bonn herausgefunden.

Bei der Arbeit krankmelden muss sich wohl jeder mal. Bei Fallmanagern des Arbeitsamtes hat eine plötzliche Abwesenheit jedoch direkte wirtschaftliche Folgen für Dritte: Die Menschen, die sie betreuen, sind im Schnitt fünf Prozent länger arbeitslos, wenn ein Treffen ausfällt – das entspricht einer Dauer von zwölf Tagen. Was wenig klingt, kann für den Staat und die einzelnen Betroffenen hohe Kosten bedeuten.

Amelie Schiprowski, Ökonomin des Exzellenzclusters ECONtribute der Universitäten Köln und Bonn hat Daten der schweizerischen Arbeitslosenversicherung von 2010 bis 2012 ausgewertet und untersucht, wie wichtig die persönliche Interaktion mit Fallmanagern für Arbeitslose ist. Dabei fand sie heraus: Wie lange jemand arbeitslos ist, hängt auch maßgeblich davon ab, wie zuverlässig und engagiert die Betreuung durch das Arbeitsamt ist.

Regelmäßige Betreuung wichtig für Wiedereingliederung

Fallmanager kümmern sich beim Arbeitsamt um die Wiedereingliederung auf den Arbeitsmarkt von Menschen, die Arbeitslosengeld beziehen. Eine spontane Abwesenheit dieser Fallmanager verringert die durchschnittliche Anzahl an Treffen mit den betreuten Personen. Da pro Halbjahr nur etwa zwei bis drei Treffen stattfinden, entspricht ein ausfallendes Treffen in den analysierten Daten etwa 40 Prozent der Betreuungszeit. Der Ausfall eines Treffens führt im Schnitt zu einer fünf Prozent längeren Arbeitslosigkeit. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine regelmäßige Betreuung für eine erfolgreiche Wiedereingliederung sehr wichtig ist.

Quantität und Qualität wichtig

Die Ökonomin teilte die beobachteten Fallmanager gemäß ihrer Produktivität in zwei Gruppen ein – Produktivität bedeutet, wie schnell von ihnen betreute Personen im Schnitt wieder einen Job fanden. Das Ergebnis: Bei weniger produktiven Betreuungspersonen hat eine Abwesenheit keinen negativen Effekt, bei den produktiveren verlängert sich die Arbeitslosigkeit bei einem ausgefallenen Termin dafür durchschnittlich sogar um 13 Prozent. Wie schlimm eine Terminabsage ist, hängt also von der Qualität der Betreuung ab.

Investitionen in Humankapital können Dauer der Arbeitslosigkeit verringern

Das Papier weist auf die ökonomische Bedeutung von Personal beim Arbeitsamt hin. „Fallmanager werden aus wohlfahrtsstaatlicher Sicht als wichtige Ressource unterschätzt“, sagt Amelie Schiprowski. Jeder Tag zusätzlicher Arbeitslosigkeit ist teuer für den Staat. Eine geringere Arbeitsbelastung einzelner Sachbearbeiter, die mehr Treffen mit einzelnen Arbeitslosen ermöglicht, und Investitionen in die Beratungsqualität könnten die Arbeitslosigkeit senken.

Für das Papier erhielt Amelie Schiprowski den Wirtschaftspreis der Joachim Herz Stiftung. Die Studie ist im August im Journal of Labor Economics erschienen: https://www.journals.uchicago.edu/doi/10.1086/706092

Mehr zur Autorin Amelie Schiprowski im Kurzinterview In Brief. 

You can find the English version of the press release here.

Förderung:

Die Arbeit erhielt finanzielle Unterstützung durch den Exzellenzcluster „ECONtribute“ der Universitäten Köln und Bonn, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder. Darüber hinaus unterstützten der DFG-geförderte Sonderforschungsbereich Transregio „Ökonomische Perspektiven auf gesellschaftliche Herausforderungen“ der Universitäten Bonn und Mannheim und die Studienstiftung des deutschen Volkes die Studie.

ECONtribute: Einziger wirtschaftswissenschaftlicher Exzellenzcluster

Die Studie ist im Rahmen von ECONtribute entstanden. Es handelt sich dabei um den einzigen wirtschaftswissenschaftlichen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Exzellenzcluster – getragen von den Universitäten in Bonn und Köln. Der Cluster forscht zu Märkten im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Ziel von ECONtribute ist es, Märkte besser zu verstehen und eine grundlegend neue Herangehensweise für die Analyse von Marktversagen zu finden, die den sozialen, technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit, wie zunehmender Ungleichheit und politischer Polarisierung oder globalen Finanzkrisen, gerecht wird.

Inhaltlicher Kontakt:

JProf. Dr. Amelie Schiprowski

Universität Bonn

amelie.schiprowski@uni-bonn.de

Presse und Kommunikation:

Carolin Jackermeier

ECONtribute

Tel. +49 221 470 7258

jackermeier@wiso.uni-koeln.de

Katrin Tholen

ECONtribute

Tel. +49 228 737808

katrin.tholen@uni-bonn.de

Vom Pandemieschock in die Rezession: Veränderung der Arbeitsstunden spiegelt Entwicklung der Corona-Krise wider

Die pandemiebedingten Einschränkungen der wirtschaftlichen Aktivität führten im März und April 2020 zu einer massiven Reduzierung der Arbeitsstunden. Weitgehend verschont blieben nur die systemrelevanten Berufe sowie Tätigkeiten, die sich ins Homeoffice verlagern ließen. Nach den Lockerungen der strikten Corona-Regeln erholten sich die besonders betroffenen Branchen relativ schnell, während andere Sektoren einen deutlichen Stundenrückgang verzeichneten. Das zeigt eine neue Studie von Ökonomen des Köln-Bonner Exzellenzclusters ECONtribute und des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) auf Basis detaillierter niederländischer Daten.

Copyright: Institute of Labor Economics (IZA)

Zu Beginn der Krise im März kam es zu einem massiven Rückgang der Arbeitsstunden vor allem in der Gastronomie (minus 15 Stunden pro Woche) sowie im Kultur- und Tourismussektor (minus neun Stunden). Im systemrelevanten Gesundheits- und Sozialwesen fiel der Stundenrückgang mit 2,5 Stunden deutlich geringer aus. Wie Abbildung 1a veranschaulicht, hing die Veränderung der Arbeitsstunden in hohem Maße davon ab, inwieweit sich die Tätigkeit ins Homeoffice verlagern ließ. Beispielsweise blieb die durchschnittliche Arbeitszeit im Bereich der Finanz- und Unternehmensdienstleistungen mit einem leichten Minus von knapp zwei Stunden fast unberührt.

Copyright: Institute of Labor Economics (IZA)

Im Juni kehrt sich das Bild teilweise um (Abbildung 1b): In der Gastronomie nahmen die Arbeitsstunden wieder deutlich zu, so dass sich die Lücke zum Vorkrisenniveau mehr als halbierte. Zugleich kam es zu einem mehr als doppelt so starken Stundenrückgang in Bereichen mit ausgeprägter Homeoffice-Nutzung wie den Finanz- und Unternehmensdienstleistungen. Die Forscher führen diesen Befund darauf zurück, dass sich der „Charakter“ der Rezession verändert hat: Nach dem ersten „Pandemieschock“ mit stark branchenspezifischen Einbrüchen aufgrund der staatlichen Beschränkungen und der unmittelbaren Auswirkungen des Virus setzte ein allgemeiner Nachfragerückgang ein, der die Wirtschaft in ihrer gesamten Breite erfasste. Dadurch kam auch der „Homeoffice-Vorteil“ nicht mehr zum Tragen: Grafik 2 zeigt, wie sich die Lücke zwischen den Tätigkeitsbereichen mit geringer und hoher Homeoffice-Nutzung zwischen März und Juni schließt.

Copyright: Institute of Labor Economics (IZA)

Nach Einschätzung der Autoren haben die Kurzarbeit-Regelungen entscheidend dazu beigetragen, dass die Unternehmen die Arbeitsstunden flexibel anpassen konnten, ohne dass es zu Entlassungswellen kam. Auch gab es kaum Verschiebungen in der Einkommensverteilung, obwohl Geringverdienende deutlich stärker von den Stundenreduzierungen betroffen waren. „Hier entfalten die staatlichen Programme ihre kurzfristig segensreiche Wirkung. Bei langfristigen Nachfrageänderungen helfen sie aber kaum weiter und können sogar schädlich sein“, sagt Hans-Martin von Gaudecker, ECONtribute-Professor für angewandte Mikroökonomik an der Universität Bonn und Leiter des IZA-Forschungsteams Strukturelle Politikevaluation.

Die Studie basiert auf der Arbeit des CoViD-19 Impact Lab, in dem von Gaudecker gemeinsam mit seinem Forschungsteam aus Bonn und von der niederländischen Universität Tilburg die Auswirkungen der Corona-Pandemie und ihre Gegenmaßnahmen analysiert. Ziel ist es, in der aktuellen Krise schnell hilfreiche Daten zu generieren und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Mittelfristig werden vertiefte Analysen folgen.

Daten basieren auf dem niederländischen LISS-Panel

Die Daten wurden mit Hilfe des niederländischen LISS-Panels (Longitudinal Internet Studies for the Social Sciences) erhoben, das 4.500 Haushalte seit über zehn Jahren regelmäßig zu einer Vielzahl von Themen befragt. Die Haushalte sind repräsentativ für die niederländische Bevölkerung und beantworten die Fragebögen online. Für diesen Datensatz wurden LISS-Teilnehmer ab 16 Jahren in vier Erhebungswellen Ende März, im April, Mai und Juni befragt. 6.650 Personen füllten mindestens einen Fragebogen vollständig aus. Für Deutschland liegen derzeit keine Daten in dieser Fülle und Aktualität vor. Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit der niederländischen und deutschen Arbeitsmärkte lassen sich die grundlegenden Erkenntnisse jedoch weitgehend auf Deutschland übertragen.

Die Finanzierung der Datensammlung erfolgt durch den Exzellenzcluster ECONtribute und den Sonderforschungsbereich TR/224, das IZA sowie die Niederländische Wissenschaftsorganisation (NWO).

Weitere Informationen zum COVID Impact Lab: https://covid-19-impact-lab.io

 

Hier geht es zum Paper.

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ECONtribute: Einziger wirtschaftswissenschaftlicher Exzellenzcluster

Die Studie ist im Rahmen von ECONtribute entstanden. Es handelt sich dabei um den einzigen wirtschaftswissenschaftlichen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Exzellenzcluster – getragen von den Universitäten in Bonn und Köln. Der Cluster forscht zu Märkten im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Ziel von ECONtribute ist es, Märkte besser zu verstehen und eine grundlegend neue Herangehensweise für die Analyse von Marktversagen zu finden, die den sozialen, technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit, wie zunehmender Ungleichheit und politischer Polarisierung oder globalen Finanzkrisen, gerecht wird.

 

Pressekontakt:

Katrin Tholen

ECONtribute: Markets & Public Policy

Tel. +49 228/737808

E-Mail: katrin.tholen@uni-bonn.de

 

Kontakt zum Studienautor:

Prof. Dr. Hans-Martin von Gaudecker

Institut für angewandte Mikroökonomik

Universität Bonn

Tel: +49 228 73-9357

E-Mail: hmgaudecker@uni-bonn.de

ECONtribute Public Talk mit Isabel Schnabel: Ungleiche Narben – Verteilungseffekte der Pandemie

ECONtribute Public Talk mit Isabel Schnabel: Ungleiche Narben: Verteilungseffekte der Pandemie

ECONtribute lädt zum Public Talk und zur gemeinsamen Diskussion mit Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der EZB und Mitglied des Exzellenzclusters ECONtribute, ein. Isabel Schnabel wird dabei die Verteilungseffekte der Corona Pandemie erläutern – so ist die Wirtschaft doch in manchen Mitgliedstaaten des Euroraums viel stärker eingebrochen als in anderen. Die am stärksten getroffenen Staaten sind gerade diejenigen, die bereits vor der Krise ein vergleichsweise geringes Wirtschaftswachstum oder einen hohen Schuldenstand aufgewiesen haben. Somit droht die Pandemie, bereits bestehende Unterschiede im Euroraum zu verstärken.

Doch nicht nur zwischen Ländern zeigen sich Divergenzen. Auch innerhalb der Länder deutet vieles darauf hin, dass sich die bestehende Ungleichheit weiter verschärft hat. So sind Personen mit geringerem Einkommen, geringerer Bildung sowie Frauen und Jüngere besonders stark betroffen. Die einheitliche Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kann nur eingeschränkt auf diese Divergenz reagieren. Stattdessen sei es Aufgabe der Fiskalpolitik, gezielte Maßnahmen zu ergreifen, um eine strukturelle Verfestigung der entstandenen Ungleichheit zu verhindern.

Nach einem Vortrag gibt es Zeit zur gemeinsamen Diskussion. Die Veranstaltung findet online statt und richtet sich an ein interessiertes Fachpublikum, Studierende und Forschende. Um Anmeldung wird hier gebeten: https://bit.ly/302olLt

5. November 2020, 16:00 bis 17:30 Uhr.

 

Programm:

16:00 – Begrüßung und Vorstellung (Thomas Dohmen, Sprecher des Exzellenzclusters ECONtribute)

16:10 – Vortrag von Isabel Schnabel

17:00 – Diskussion mit dem Publikum

17:30 – Ende der Veranstaltung

 

Das Poster zur Veransaltung finden Sie hier.

ReStart Reinhard Selten Equal Opportunity Talk – Karsten Hank (Universität zu Köln)

Prof. Dr. Karsten Hank (Universität zu Köln)

„Liebe in den Zeiten von COVID-19: Wie sich die Pandemie auf Partnerschaften auswirkt“

Am 10. November lädt ECONtribute zur ersten virtuellen Veranstaltung der Vortragsreihe „Reinhard Selten Equal Opportunity Talks (ReStart)“ ein.

Die COVID-19-Pandemie und die mit ihr einhergehenden Einschränkungen haben nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern insbesondere auch Familien hart getroffen. Auf Basis von Daten einer Sonderbefragung des Beziehungs- und Familienpanels pairfam, die es erlauben, die Situation unmittelbar vor und während der Coronakrise miteinander zu vergleichen, betrachtet der Vortrag unmittelbare Auswirkungen der Pandemie auf Partnerschaften in Deutschland. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen zwei zentrale Aspekte von Partnerschaften, nämlich (1) die Beziehungszufriedenheit und (2) die Aufteilung der Hausarbeit und Kinderbetreuung zwischen den Partner*innen. Neben z.T. deutlichen Veränderungen weisen die Befunde gleichzeitig auf eine erhebliche Stabilität etablierter Verhaltensmuster in Paarbeziehungen hin.

ECONtribute setzt mit der neuen Vortragsreihe ReStart einen besonderen Fokus auf Gleichstellungsthemen. Mehrmals im Jahr halten Expert*innen aus dem Cluster und hochrangige Gäste Vorträge, die verschiedene Gleichstellungsaspekte beleuchten und einem breiten Publikum aus der Wissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit näherbringen. Anschluss gibt es die Möglichkeit, in einem virtuellen Raum angesprochene Themen zu vertiefen.

Die Veranstaltung findet online via Zoom statt, um Anmeldung wird hier gebeten.

 

Programm:

17:00 – Begrüßung und Vorstellung des Exzellenzclusters ECONtribute und der Vortragsreihe ReStart (Barbara Boelmann)

17:10 – Vortrag „Liebe in den Zeiten von COVID-19: Wie sich die Pandemie auf Partnerschaften auswirkt“ (Prof. Dr. Karsten Hank)

17:45 – Diskussion mit dem Publikum

18:15 – virtueller Empfang

18:30 – Ende der Veranstaltung

 

Das Poster zur Veranstaltung finden Sie hier.

 

ECONtribute wird Partner der Initiative Klischeefrei

Klischeefrei ist eine 2016 gegründete bundesweite Initiative, die Akteure*innen aus Bildung, Politik, Wirtschaft und Forschung vereint. Gemeinsam setzen sie sich aktiv für geschlechtsunabhängige Berufs- und Studienorientierung ein.

Mit der neuen Partnerschaft arbeitet ECONtribute noch stärker auf das Ziel hin eine Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees zu schaffen. Ziel ist es individuelle Fähigkeiten zu fördern – unabhängig von Geschlechterrollen. Da gerade in den Wirtschaftswissenschaften Forscherinnen unterrepräsentiert sind, priorisiert ECONtribute die Förderung von Frauen durch ein vielfältiges, klischeefreies und inklusives Forschungs- und Arbeitsumfeld.

„Es benötigt die Zusammenarbeit aller am Bildungsprozess beteiligter Personen um ein Arbeitsumfeld frei von Geschlechterklischees zu schaffen. Gemeinsam mit der Initiative wollen wir Netzwerke und Synergien nutzen, um die Karrieremöglichkeiten von jungen Frauen in den Wirtschaftswissenschaften zu verbessern“, so Prof. Dr. Matthias Heinz, Gleichstellungsbeauftragter bei ECONtribute.

Mehr Informationen zur Initiative

Zum Interview mit Matthias Heinz und Tim Bock

Panel at VfS annual conference: „Women, Men and Taxes“: On the discrimination of women by the tax and transfer system

The Cluster of Excellence ECONtribute: Markets & Public Policy and the Institute for Economic Policy at the University of Cologne (iwp) cordially invite you to the panel: “Women, Men and Taxes“: On the discrimination of women by the tax and transfer system at this year’s VfS virtual annual conference.

The German tax system is superficially “gender-neutral”. Direct or immediate discrimination based on gender would have long since been examined and rejected by the Federal Constitutional Court.

From a gender perspective, however, there are factorswhich place women and men in certain social positions. In Germany, for example, the issue of spousal splitting has been discussed for decades.The tax system distinguishes between married couples and singlesand has deduction possibilities for tax-payers with children. Are those deductionsgender-neutral?Also, thepension system has rules for crediting time on parental leave or care of the elderly. What is the effect?

The discussion will not only focus on whether and which discriminatory regulations in the tax and transfer system can be identified from an economic point of view, but also on whether reforms in these areas are more likely to encounter practical implementation problems or actual political conflicts.

The panel discussion centers around the following questions:

  • How does the tax and transfer system interfere with the lives ofmen and women? E.g. is the labor market participation of women more discouraged than the labor participation of men?
  • To what extent is there undesirable discrimination?
  • What are avenues for reform?
  • Why is there persistent discrimination? Why are reforms politically difficult?

Panel discussion:

  • Prof. Miriam Beblo (University of Hamburg, Expert Commission of the German Federal Government’s 9th Family Report, Independent Expert Commission for the Third Gender Equality Report of the German Government)
  • Prof. Andreas Peichl (ifo Center for Macroeconomics and Survey, University of Munich)
  • Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn (Habilitated economist, member of the German Bundestag and spokesperson for labor market policy of the parliamentary group of Bündnis 90 / Die Grünen)

Moderation:

Prof. Michael Krause (Institute for Economic Policy at the University of Cologne [iwp], Cluster of Excellence ECONtribute: Markets & Public Policy)

The panel takes place as part of the annual conference of the Verein für Socialpolitik.

Date & time: 29th of September, 16:45 – 18:15 o’clock.

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Finanzbranche beschäftigt häufig vertrauensunwürdige Mitarbeiter

Wissenschaftler machen einen möglichen Grund für die vielen Skandale in der Finanzwelt aus: Arbeitnehmer in dieser Branche sind häufig weniger vertrauenswürdig und weniger sozial eingestellt.

Ob Cum-Ex-Geschäfte oder Wirecard – in regelmäßigen Abständen erschüttert ein Skandal die Finanzindustrie. Das ohnehin bereits gebeutelte Image sinkt nach jeder neuen Enthüllung und Kunden, Politik und Gesellschaft verlieren zunehmend Vertrauen. Matthias Heinz und Matthias Sutter, beides Ökonomen des Exzellenzclusters ECONtribute: Markets & Public Policy der Universitäten Köln und Bonn, haben gemeinsam mit Heiner Schumacher (KU Leuven) und Andrej Gill (Universität Mainz) einen möglichen Grund für die Skandale der Finanzbranche gefunden: Sie haben in einer experimentellen Studie die Vertrauenswürdigkeit von Studierenden gemessen und festgestellt, dass die am wenigsten vertrauenswürdigen später verstärkt in der Finanzindustrie arbeiten.

Dazu führten die Wissenschaftler eine Langzeitstudie mit Studierenden der Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt durch. In einer ersten Welle im Jahre 2013 befragten sie 265 Studentinnen und Studenten nach ihren Berufswünschen, sozialen Präferenzen und Persönlichkeitsmerkmalen. Zusätzlichen testeten sie in einem computergestützten Laborexperiment, einem so genannten Trust Game, wie vertrauenswürdig die Studierenden sind. Die Studierenden erhielten acht Euro und konnten einer zweiten Person einen Betrag zwischen 0 und 8 Euro geben. Der Betrag wurde von den Forschern anschließend verdreifacht und die zweite Person konnte dann entscheiden, wieviel sie hiervon der ersten Person zurückgeben wollte.  Personen, die einen höheren Betrag zurückgaben galten vertrauenswürdiger als andere.Das Ergebnis: Studierende, die ihre Karriere in der Finanzwelt planten, waren um 30 Prozent weniger vertrauenswürdig, als solche, die nach ihrem Studium ihren Berufseinstieg in einer anderen Branche sahen. 2019 und 2020 wiederholte das Forschungsteam die Befragung und stellte fest, dass die weniger vertrauenswürdigen Personen auch tatsächlich in der Finanzwelt einen Job angenommen hatten.

Finanzunternehmen wissen um die Rolle der Vertrauenswürdigkeit

Vertrauen hat in der Finanzwelt einen besonders hohen Stellenwert – und ist Grundlage für eine Geschäftsbeziehung zwischen Kunden und Beratern. Nutzen Berater das ihnen entgegengebrachte Vertrauen aus, indem sie die ihnen vorhandenen komplexen Informationen der Finanzwelt besser einzuschätzen wissen als ihre Kunden, kann es zu einem Fehlverhalten der Mitarbeiter im Finanzwesen kommen. Das wiederum kann zur Quelle für Skandale und Betrug werden. Dem könnte die Finanzwelt entgegenwirken, in dem sie die weniger vertrauenswürdigen Mitarbeiter bei der Einstellung aussortiert – die Forschungsergebnisse lassen jedoch einen anderen Schluss zu:

„Studierende, die in der wettbewerbsintensiven Finanzwelt arbeiten möchten, sind weniger vertrauenswürdig als jene, die in anderen Branchen arbeiten wollen. Die Finanzwelt scheint aber weniger vertrauenswürdige Personen im Laufe eines Einstellungsprozesses nicht auszusortieren, sondern tatsächlich einzustellen. Zudem wechseln nur vier Prozent der Arbeitnehmer aus den Finanzen in eine andere Branche, was die Auswahl der Mitarbeiterinnen besonders wichtig macht.“, erläutert Matthias Heinz, Professor bei ECONtribute: Markets & Public Policy und an der Universität zu Köln die Ergebnisse. Es sei weitere Forschung notwendig, um Einstellungsprozesse in der Finanzwelt zu verstehen und Implikationen für die Politik abzuleiten, fasst das Wissenschaftler-Team zusammen.

Die Studie ist als ECONtribute-Discussion Paper erschienen: https://ideas.repec.org/p/ajk/ajkdps/022.html

You can find the English version of the press release here.

Über ECONtribute: Markets & Public Policy

Die Studie ist im Rahmen des Exzellenzclusters ECONtribute: Markets & Public Policy entstanden. Es handelt sich dabei um den einzigen wirtschaftswissenschaftlichen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Exzellenzcluster – getragen von den Universitäten in Bonn und Köln sowie dem Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und dem Institute on Behavior & Inequality (briq). Der Cluster forscht zu Märkten im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Ziel von ECONtribute ist es, Märkte besser zu verstehen und eine grundlegend neue Herangehensweise für die Analyse von Marktversagen zu finden, die den sozialen, technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit, wie zunehmender Ungleichheit und politischer Polarisierung oder globalen Finanzkrisen, gerecht wird.

 

Inhaltlicher Kontakt:

Professor Dr. Matthias Sutter

Lehrstuhl für Economics: Design & Behavior an der Universität zu Köln

Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern Bonn

matthias.sutter@coll.mpg.de

Professor Dr. Matthias Heinz
Proffesur für Strategie an der Universiät zu Köln
heinz@wiso.uni-koeln.de

 

Presse und Kommunikation:

Katrin Tholen

+49 221 470 3555

tholen@wiso.uni-koeln.de

Three Starting Grants in economics: Economists receive coveted European Research Council funding

Starting Grants from the European Research Council (ERC) are highly coveted, because they provide young researchers with funding of up to 1.5 million euros over five years. In economics, three researchers from the University of Bonn and the Behavior and Inequality Research Institute (briq) will now benefit from this funding. The successful candidates are also members of the Clusters of Excellence ECONtribute: Markets & Public Policy and the Hausdorff Center for Mathematics (HCM).

Prof. Dr. Francesc Dilmé works at the Institute for Microeconomics at the University of Bonn and is a member of the Clusters of Excellence ECONtribute, Hausdorff Center for Mathematics and a cross-locational Collaborative Research Center with Mannheim. He wants to use the ERC Starting Grant to investigate price negotiations in dynamic markets: “The aim is to develop a new systematic analysis of markets where market participants have different levels of information.”

Dilmé expects the EU funding to enable him to attract leading researchers from his field to Bonn and to have more time for his research. “The Starting Grant allows me to contribute to the understanding of how information is transmitted through prices in decentralized markets, such as real estate and financial markets,” he says. He also wants to examine the efficiency of these markets and assess the effectiveness of different regulations.

Dilmé studied physics and mathematics in Barcelona (Spain) before graduating in economics at the London School of Economics (England) and completing a doctorate at the University of Pennsylvania (USA). He joined the University of Bonn in 2013 and has been a professor there since 2019. In 2017 he spent a six-month research stay at the University of California, Berkeley.

New possibilities for data analysis

Prof. Dr. Joachim Freyberger from the Institute of Finance and Statistics at the University of Bonn is a member of the Hausdorff Center for Mathematics and plans to use his Starting Grant to develop new statistical methods. “The increasing availability of large data sets and, at the same time, the greatly increased processing power of computers offer new possibilities for analyzing data,” says Freyberger. Various applications of the new methods should result in more reliable conclusions.

He would like to use the EU funding to strengthen his networking with international researchers and to train doctoral students.

Born in Bonn, he studied econometrics and operations research in Maastricht (Netherlands) and received his doctorate in economics from Northwestern University (USA). After six years at the University of Wisconsin (USA), Freyberger has been a professor at the University of Bonn since 2019.

How do our memories influence opinions and expectations?

Economics assumes that people act with foresight. Decisions depend on individual perceptions and expectations, for example when buying shares. “The aim of the project is to better understand the process through which opinions and expectations are formed,” says Prof. Dr. Florian Zimmermann. “The approach here is to use insights from memory research.”

The researcher works at the Behavior and Inequality Research Institute (briq) at the University of Bonn and is a member of ECONtribute. The project, which is supported by the ERC with a Starting Grant, is based on the assumption that when forming opinions and expectations, the mind is often intuitively asked about prior knowledge and experience on a certain topic. “Belief-based decisions are not only relevant for individual economic outcomes but may also have important effects on the economy as a whole,” says the researcher.

Zimmermann studied economics in Mannheim and at the University of California, Los Angeles (USA) and earned his doctorate at the Bonn Graduate School of Economics (BGSE) at the University of Bonn. After research stays at the University of California, San Diego, and Harvard University as well as a postdoctoral period at the University of Zurich, he joined briq in 2017, where he has been a professor since 2019.

ERC Starting Grants support excellent young researchers

The European Research Council awards Starting Grants to outstanding young researchers. The funding from Brussels is up to 1.5 million euros for five years.

Cluster of Excellence ECONtribute and Hausdorff Center for Mathematics

ECONtribute: Markets & Public Policy is the only economic Cluster of Excellence and a joint initiative of the universities of Bonn and Cologne. The Cluster’s research focuses on markets at the interface between business, politics and society. The Cluster aims to advance a new paradigm for the analysis of market failure in light of fundamental societal, technological and economic challenges, such as increasing inequality and political polarization or global financial crises.

The Hausdorff Center for Mathematics (HCM) is a Cluster of Excellence of the University of Bonn. With six units, its research spectrum ranges from pure and applied mathematics to mathematically oriented questions of economics and interdisciplinary research. A central goal of the HCM is the promotion of young researchers in an independent and international environment.

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Media contact:

Katrin Tholen

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ECONtribute: Markets & Public Policy

Tel. +49-(0)228-737808

E-mail: katrin.tholen@uni-bonn.de

 

Prof. Dr. Francesc Dilmé

Institut für Mikroökonomik der Universität Bonn

Cluster of Excellence ECONtribute und Hausdorff-Zentrum für Mathematik

Tel. +49-(0)228-737957

E-mail: fdilme@uni-bonn.de

 

Prof. Dr. Joachim Freyberger

Institut für Finanzmarktökonomie und Statistik der Universität Bonn

Exzellenzcluster Hausdorff-Zentrum für Mathematik

Tel. +49-(0)228-739268

E-mail: freyberger@uni-bonn.de

 

Prof. Dr. Florian Zimmermann

Behavior and Inequality Research Institute (briq)

Exzellenzcluster ECONtribute

Tel. +49-(0)228-3894704

E-mail: florian.zimmermann@briq-institute.org

Christine Laudenbach expands the Cluster of Excellence as new professor

From left to right: Prof. Moritz Kuhn, deputy spokesperson ECONtribute: Markets & Public Policy, Prof. Christine Laudenbach, Uwe Scheifgen, HR Department, University of Bonn

As of September 1, 2020, Christine Laudenbach will be new Associate Professor at the Faculty of Law and Economics at the University of Bonn and in the Cologne-Bonn Cluster of Excellence ECONtribute. Laudenbach received her PhD from the University of Mannheim in 2012 and then moved to the Goethe University in Frankfurt, where until now she worked as a postdoctoral researcher in the area of finance. “I am excited about my tasks, both at the University of Bonn and in the Cluster of Excellence, and I am looking forward to the upcoming years,” said Laudenbach at her appointment on Monday.

Laudenbach’s research focuses on behavioral economics and household finance. Her research interests include investment strategies and the behavior of private individuals with regard to their finances. Most recently, she published her first book on simple wealth strategies.

“We are very pleased that we could win Christine Laudenbach for the Cluster of Excellence and the University. She is a great enrichment for the entire faculty and we wish her a successful start”, said Thomas Dohmen, spokesperson of ECONtribute: Markets & Public Policy.

 

Auswege aus der Wirtschaftskrise: Top-Ökonomen formulieren Grundsätze für eine erfolgreiche Bewältigung

Seit Beginn der Corona-Pandemie stecken viele europäische Länder in einer Rezession. Um die wirtschaftlichen Folgen besser abzufedern, formulieren führende Wirtschaftswissenschaftler, darunter die Ökonomen Moritz Kuhn und Christian Bayer von der Universität Bonn, in einem offenen Brief Grundsätze für die Wirtschaftspolitik um die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zu bewältigen.

In dem Schreiben, das auf dem Politikanalyseportalen VoxEU und der deutschsprachigen Internetplattform „Ökonomenstimme“ veröffentlicht wurde, schlagen die Ökonomen verschiedene Maßnahmen vor und beschreiben Leitlinien für die Politik, die europaweit und frei von nationalstaatlichen Interessen zu empfehlen seien. Wichtig sei es derzeit vor allem, Haushalte, die von der Krise getroffen seien, kurzfristig durch Transferleistungen zu helfen die ökonomischen Folgen der Krise abzufedern. Transferzahlungen bieten darüber hinaus die wichtige Möglichkeit, Einschränkungen aufrecht zu erhalten, um die Gesundheitssituation unter Kontrolle zu behalten. Die Ökonomen empfehlen außerdem, mit einem Strukturwandel – wie aus der Klimapolitik gefordert – zu warten. Diesen anzugehen sei erst sinnvoll, wenn sich die Lage stabilisiere. Ansonsten drohe eine weitaus tiefere Rezession. Politische Unsicherheiten müsse man über klare Kommunikation reduzieren und frühzeitig mitzuteilen, welche politischen Regeln auf die Gesellschaft zukämen. Die Politik müsse sich bemühen, heute schon Pläne für verschiedene Szenarien zukünftiger Entwicklungen zu formulieren und zu kommunizieren.

Von der europäischen Gemeinschaft lernen

Moritz Kuhn ist Professor für Wirtschaft an der Universität Bonn und gehört dem Exzellenzcluster ECONtribute an. Er sagt: „Wichtig ist es auch, die internationale Zusammenarbeit weiterhin zu stärken, Informationen innerhalb der Staatengemeinschaft auszutauschen und zu überprüfen wo von Best-Practices gelernt werden kann. So kann populistischen Strömungen vorgebeugt werden.“ Die Ökonomen können sich als Unterstützung dazu einen unabhängigen wissenschaftlichen Wirtschaftsausschuss vorstellen. Dieser könnte die Politikmaßnahmen in den verschiedenen Regionen Europas bewerten und koordinieren, spezifische strategische Entwicklungsstrategien entwickeln und den zuständigen nationalen Ministerien wirtschaftspolitische Ideen für ihre Regionen an die Hand geben.

Multilaterale Handelsbeziehungen wieder aufnehmen

In der aktuellen Krise hat sich deutlich gezeigt, dass die Weltwirtschaft zu einem großen Geflecht an Handelsbeziehungen zusammengewachsen ist. Es gelte, diese Handelsbeziehungen so schnell wie möglich wieder aufzunehmen und die geringen innereuropäischen Handelsbeschränkungen zu nutzen. Konjunkturmaßnahmen seien notwendig, um die Volkswirtschaften wieder in Schwung zu bringen. Angesichts der derzeit niedrigen Zinssätze empfehlen die Ökonomen, dass europäische Regierungen mit finanziell stärkeren Haushalten in Länder mit schwächeren Haushalten „investieren“, ohne dass eine instabile Schuldendynamik ausgelöst würde. Dies ermögliche ein schnelleres Ende der durch die Corona-Krise ausgelösten Rezession und ist auf Grund der engen Handelsbeziehungen auch in deren eigenem Interesse.

 Zum Originaltext auf VoxEU

Zum deutschen Beitrag auf der Ökonomenstimme

 

Pressekontakt:

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Kontakt zum Autor:

Prof. Dr. Moritz Kuhn

Institut für Makroökonomik und Ökonometrie

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