ECONtribute Webinar with Felix Bierbrauer

Felix Bierbrauer will present his latest research in the upcoming ECONtribute Webinar. On a regulary basis, Cluster members present one of the nine Cluster’s Research Areas and their current research to the research community. The webinar includes a presentation as well as a Q&A afterwards and will be held via Zoom.

Date and time: 13th of May, 12:00-13:00h CET.

Please register here for the seminar.

Politically feasible reforms of non-linear tax systems

Felix Bierbrauer, Professor of Economics, ECONtribute, University of Cologne

At the webinar, Felix Bierbrauer presents a conceptual framework for the analysis of politically feasible tax reforms. First, he proves a median voter theorem for monotonic reforms of non-linear tax systems. This yields a characterization of reforms that are preferred by a majority of individuals over the status quo and hence politically feasible. Second, he shows that every Pareto-efficient tax system is such that moving towards lower tax rates for below-median incomes and towards higher rates for above median incomes is politically feasible. Third, he develops a method for diagnosing whether a given tax system admits reforms that are politically feasible and/or welfare-improving.

More information about Felix Bierbrauer and his work.

The webinar was held on 13th of May 2020. You can watch the recorded session below:

 

ECONtribute Studie – Coronavirus: Geringverdiener sind doppelte Verlierer der Coronakrise

Geringverdiener sind doppelte Verlierer der Coronakrise

Ökonomen der Universität Bonn und des IZA werten Daten von rund 5.500 Personen aus

Homeoffice und gleichbleibendes Gehalt auch in der Coronakrise? Nicht für alle Arbeitnehmer ist dies in Krisenzeiten möglich. Ökonomen des Exzellenzclusters ECONtribute in Kooperation mit dem Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) befragten vom 20. bis zum 31. März 2020 rund 5.500 Niederländer zu den Veränderungen ihrer Arbeitswelt während der Pandemie. Deutlich wird: Höher qualifizierte Arbeitnehmer verbringen mehr Zeit im Homeoffice, während weniger qualifizierte Arbeitnehmer gezwungen sind, Stunden zu reduzieren oder Gefahr laufen, ihren Job ganz zu verlieren.

Die Möglichkeit zum Homeoffice ist eine Frage des Bildungsgrads. Das bescheinigen neue Daten des COVID Impact Lab, einem neuen Forschungsprojekt des Exzellenzclusters ECONtribute: Markets & Public Policy in Kooperation mit dem Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Die Wissenschaftler verglichen die Veränderungen in der Arbeitswelt rund um den Beginn der Krise – bevor sie Auswirkungen auf das Berufsleben hatte und kurz nachdem es zu ausgangsbeschränkenden Regierungsmaßnahmen kam. Erstmals lässt sich mit Zahlen belegen, wie sich der Anteil von Arbeitnehmern, die ihre tägliche Arbeit von zu Hause verrichten, verändert hat.

Vom Homeoffice profitieren Besserverdienende

Copyright: IZA

So hat sich zwar der Anteil der Arbeitnehmer, die mindestens zwei Stunden pro Tag im Homeoffice arbeiteten, von 27 auf 54 Prozent verdoppelt. Doch Heimarbeit kann nicht jeder Arbeitnehmer gleichermaßen nutzen: Unter hochqualifizierten Arbeitnehmern geben 76 Prozent an, nach Beginn der Krise mindestens zwei Stunden aus dem Homeoffice zu arbeiten. Unter den Niedrigqualifizierten sind es nur 31 Prozent. Bei Akademikern ist die Umstellung auf Homeoffice außerdem die Norm: Der Anteil der Heimarbeit steigt hier von 11 auf 68 Prozent. Bei den weniger gebildeten Beschäftigten steigt der Homeoffice-Anteil an der wöchentlichen Arbeitszeit hingegen nur auf rund ein Fünftel, zudem sinkt ihre Gesamtstundenanzahl deutlich stärker als bei Akademikern. (Abbildung 1)

Die Verlierer der Krise auf dem Arbeitsmarkt sind Geringverdiener

Copyright: IZA

Grund dafür kann sein, dass weniger Qualifizierte öfter in Berufen arbeiten, in denen sie ihre Tätigkeit nicht im Homeoffice erledigen können, wie beispielsweise im Transportwesen, dem Einzelhandel oder der Gastronomie Für einen Teil der weniger Qualifizierten  kommt es in der Folge häufiger zu Entlassungen oder einer starken Reduzierung der Stunden. Personen am unteren Ende der Einkommensverteilung trifft es außerdem doppelt hart: Nicht nur müssen sie ihre Stunden stärker reduzieren als Besserverdienende. Es ist außerdem zu erwarten, dass diese Stundenreduktionen für sie schwieriger zu bewältigen sind, da sie weniger Rücklagen haben, um die Verluste der kommenden Monate auszugleichen. Sie werden daher stärker als andere Einkommensgruppen staatliche Unterstützung benötigen. Ein anderer Teil der weniger Qualifizierten arbeitet in systemrelevanten Berufen, wie der Pflege oder im Lebensmitteleinzelhandel. Sie haben zwar derzeit einen sicheren Job, sind jedoch einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Im Gegensatz dazu sind Arbeitnehmer im Homeoffice doppelt geschützt – vor Infektionen und Einkommensverlusten. So wird die Zweiteilung von Branchen in Büroberufe, die von hoher Qualifikation und Heimarbeitsquoten geprägt sind und solche mit jeweils niedrigen Werten, sehr deutlich (siehe Abbildung 2).

Übertragbarkeit auch auf Deutschland

„Für Deutschland liegen noch keine umfangreichen Daten vor, es zeigen sich aber erste Tendenzen, die in dieselbe Richtung gehen. Zwar scheint der Anstieg im Homeoffice etwas geringer zu sein als in den Niederlanden, es wird aber deutlich, dass Nicht-Akademiker auch hier das Nachsehen haben und ihre Arbeit nicht von zu Hause ausüben können. Sowohl die Niederlande als auch Deutschland haben außerdem ähnliche restriktive Einschränkungen im öffentlichen Alltag, das schafft eine ähnliche Grundlage“, erläutert Hans-Martin von Gaudecker, ECONtribute-Professor für angewandte Mikroökonomik an der Universität Bonn und Leiter des IZA-Forschungsteams Strukturelle Politikevaluation die Ergebnisse.

Impact Lab mit aktuellen Daten zur Krise

Gemeinsam mit seinem Forschungsteam aus Bonn und der niederländischen Universität Tilburg möchte der Ökonom die Auswirkungen der gegenwärtigen Krise und ihre Gegenmaßnahmen analysieren. Dazu hat er, gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern, das COVID Impact Lab ins Leben gerufen. Ziel ist es, in der aktuellen Krise schnell hilfreiche Daten zu generieren und diese der Öffentlichkeit und Entscheidungsträgern zur Verfügung zu stellen. Mittelfristig sollen dann vertiefte Analysen erfolgen. Das Projekt wird vom Exzellenzcluster ECONtribute: Markets & Public Policy gefördert.

Information zum Datensatz:

Die Daten wurden mit Hilfe des niederländischen LISS-Panels erhoben. Das LISS (Longitudinal Internet Studies for the Social Sciences)-Panel fragt 4.500 Haushalte seit über zehn Jahren regelmäßig zu einer Vielzahl von Themen. Die Haushalte sind repräsentativ für die niederländische Bevölkerung und beantworten die Fragebögen online. Für diesen Datensatz wurden LISS-Teilnehmer ab 16 Jahren vom 20. bis zum 31. März befragt. 5.453 Personen haben den Fragebogen vollständig ausgefüllt. Für Deutschland liegen noch keine umfassenden Daten vor, erste Tendenzen lassen sich aber ablesen. Die deutschen Daten werden ebenfalls über eine Online-Umfrage mit Hilfe von GESIS, dem Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, abgefragt.

Weitere Informationen zum COVID Impact Lab:
https://covid-19-impact-lab.readthedocs.io/en/latest/#

 

Studie:

Studie (Englisch)

 

Pressekontakt:

Katrin Tholen

ECONtribute: Markets & Public Policy

Tel. +49 228/737808

Email: katrin.tholen@uni-bonn.de

 

Kontakt zum Studienautor:

Prof. Dr. Hans-Martin von Gaudecker

Institut für angewandte Mikroökonomik

Universität Bonn

Tel: +49 228 73-9357

E-Mail: hmgaudecker@uni-bonn.de

 

 

ECONtribute Studie – Coronavirus: Warum die Sterblichkeit so verschieden ist

Coronavirus: Warum die Sterblichkeit so verschieden ist

Neue Studie des Exzellenzclusters ECONtribute führt hohe Letalität auf Kontakte zwischen den Generationen zurück

Die Großeltern wohnen mit im Haus und für die Kinderbetreuung ist gesorgt: Was lange als ideales Modell für viele Familien galt, ist in der Coronakrise gefährlich: Die beiden Ökonomen Prof. Dr. Moritz Kuhn und Prof. Dr. Christian Bayer  von der Universität Bonn haben über verschiedene Länder hinweg die Rolle von Sozialstrukturen mit Letalitätsquoten bei COVID-19-Infektionen verglichen. Ergebnis: Je mehr Erwerbstätige mit ihren Eltern zusammenleben, desto höher ist der Anteil der Corona-Toden am Anfang der Epidemie. 

Beim Blick nach Italien erschrecken vor allem die hohen Sterbezahlen der COVID-19-Infektion. Der Anteil der Verstorbenen ist in Italien deutlich höher als hierzulande. In Deutschland liegt der Anteil der Patienten mit tödlichem Krankheitsverlauf noch immer bei unter 0,3 Prozent, in Italien hingegen bei rund sechs Prozent (Stand 15. März). Das bedeutet, dass in Italien pro 1.000 Erkrankten im Schnitt 60 Menschen sterben, in Deutschland hingegen drei. Die beiden Ökonomen untersuchten als mögliche Ursache für die unterschiedlich hohe Sterberate Unterschiede in der Form des Zusammenlebens und der sozialen Interaktion in den verschiedenen Ländern. 

Unterschiedliche Formen des Zusammenlebens

Im hypothetischen Land A finden wenige Kontakte zwischen den Generationen im täglichen Leben statt. Die arbeitende Bevölkerung und ältere Menschen leben relativ getrennt voneinander.

In Land A leben ältere und erwerbstätige Menschen getrennt voneinander. Im Alltag haben sie wenig Berührungspunkte. Bild: Moritz Kuhn

In Land B hingegen gibt es viel alltäglichen Austausch und Interaktion zwischen den Generationen. So wohnen beispielsweise Großeltern mit im Haus und passen auf Enkelkinder auf oder jüngere Arbeitnehmer, die sich keine eigene Wohnung leisten können, sind noch nicht aus ihrem Elternhaus ausgezogen. 

Land B: Die Erwerbsbevölkerung und ältere Menschen leben unter einem Dach. Wenn der Virus auch unter Älteren gestreut hat, kommt es zu einer Kettenreaktion, die das Gesundheitssystem überlastet. Bild: Moritz Kuhn

Um das soziale Zusammenleben messbar zu machen, untersuchten die Wissenschaftler den Anteil der 30 bis 49-Jährigen, die mit ihren Eltern zusammenwohnen. Im europäischen und auch im weltweiten Vergleich ergeben sich hier wie bei der Sterberate große Unterschiede. Die Forscher der Universität Bonn gehen davon aus, dass der Virus hauptsächlich durch die Erwerbsbevölkerung aus China nach Europa gekommen ist und sich dann hier unter den Berufstätigen verbreitet hat.

„Wenn sich die arbeitende Bevölkerung in hohem Maß infiziert, dann ist das für Bevölkerungsstrukturen wie in Deutschland oder Skandinavien, wo wir weniger generationsübergreifende Formen des Zusammenlebens kennen, weniger dramatisch“, erläutert Moritz Kuhn, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn sowie im Exzellenzcluster ECONtribute: Markets & Public Policy. „In Ländern wie Italien, in denen Ältere oft mit der gesamten Familie unter einem Dach wohnen, steigt dann der Anteil der Krankheitsverläufe mit tödlichem Ausgang deutlich.“ Sobald der Virus auch unter Älteren gestreut hat, komme es zu einer Kettenreaktion, die das Gesundheitssystem überlastet.  

Die Todesfallraten in Italien sind deutlich höher als in den anderen betroffenen Ländern. Bild: Moritz Kuhn

Osteuropäische Länder könnten besonders betroffen sein

Nicht nur in Italien gibt es viele Formen des generationsübergreifenden Zusammenlebens, sondern auch in osteuropäischen Ländern. Auf sie könnte eine ähnliche Situation wie in Italien zukommen, wenn sie die empfohlenen Maßnahmen, wie die Einhaltung einer „sozialen Distanz“, zum Schutz der älteren Bevölkerung zu spät umsetzen, warnen die Wissenschaftler. Umso wichtiger sei es, dass die Maßnahmen frühzeitig eingeleitet werden. 

Generationsübergreifendes Wohnen findet in vielen asiatischen Ländern sowie in Italien deutlich häufiger statt als in Deutschland. Bild: Moritz Kuhn

Gegensätzlicher Trend in asiatischen Ländern

Für den asiatischen Raum gelte grundsätzlich der gleiche Zusammenhang, jedoch seien die generationsübergreifenden Kontakte sehr viel ausgeprägter, legen die Forscher dar. Dass die Letalitätsquoten dennoch geringer ausfallen, liege an einer insgesamt jüngeren Bevölkerung, könne aber auch an anderen Formen der sozialen Interaktion – wie unterschiedlichen Begrüßungsritualen – liegen. Möglich sei auch, dass sich asiatische Länder besser auf mögliche Pandemien vorbereitet haben und von Erfahrungswerten aus der SARS-Krise 2003 profitieren. So gibt es in vielen asiatischen Ländern Fieberkliniken, die nur erkältungs- und grippespezifische Symptome behandeln und das Gesundheitssystem damit entlasten.

Generationsübergreifendes Wohnen findet in vielen asiatischen Ländern sowie in Italien deutlich häufiger statt als in Deutschland. Bild: Moritz Kuhn

ECONtribute: Einziger wirtschaftswissenschaftlicher Exzellenzcluster

Die Studie ist im Rahmen von ECONtribute entstanden. Es handelt sich dabei um den einzigen wirtschaftswissenschaftlichen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Exzellenzcluster – getragen von den Universitäten in Bonn und Köln. Der Cluster forscht zu Märkten im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Ziel von ECONtribute ist es, Märkte besser zu verstehen und eine grundlegend neue Herangehensweise für die Analyse von Marktversagen zu finden, die den sozialen, technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit, wie zunehmender Ungleichheit und politischer Polarisierung oder globalen Finanzkrisen, gerecht wird. 

Studie:

Studie (Englisch)

 

Pressekontakt:

Katrin Tholen

ECONtribute

Tel. +49 228 737808

E-Mail: katrin.tholen@uni-bonn.de

 

Kontakt zum Studienautor:

Prof. Dr. Moritz Kuhn

Institut für Makroökonomik und Ökonometrie

Universität Bonn

Tel. 0228/7362096

E-Mail: mokuhn@uni-bonn.de

ECONtribute Scientific and Policy Advisory Board

ECONtribute Scientific and Policy Advisory Board

Our Cluster of Excellence ECONtribute: Markets & Public Policy is pleased to announce the members of its Advisory Board. The ECONtribute Scientific and Policy Advisory Board (ESPAB) serves as an external advisor to the ECONtribute Steering Committee. The Board consists of five internationally-renowned and high-level researchers and policy makers, namely:

The ESPAB advises the Cluster on its strategic development, such as research, policy interaction and outreach activities, hiring strategy, equal opportunity and the Young ECONtribute Program (YEP).

The Cluster of Excellence ECONtribute: Markets & Public Policy is a joint initiative of the Universities of Bonn and Cologne and funded for the years 2019-2025 by the German Research Foundation in the German Excellence Strategy. The goal of the Cluster is to advance a new paradigm for the analysis of markets & public policy in light of fundamental societal and technological challenges. All research activities are organized under the roof of the Reinhard Selten Institute (RSI), a joint research institute of the Universities of Bonn and Cologne. The ECONtribute Network was established to promote two-way knowledge exchange between researchers and policymakers.

ECONtribute Studie: „Die Verteilung der Vermögen in Deutschland von 1895 bis 2018“

Deutschland: Immer reicher, immer ungleicher

Studie der Universität Bonn zeigt historische Vermögensverteilung in Deutschland

Die reichsten 50 Prozent der Deutschen haben ihr Vermögen seit der Wiedervereinigung verdoppelt – die ärmsten 50 Prozent haben praktisch nichts hinzugewonnen. Das zeigt die neue Studie „Die Verteilung der Vermögen in Deutschland von 1895 bis 2018“ des Exzellenzclusters ECONtribute der Universitäten Bonn und Köln. Sie bildet die erste umfassende Analyse von langfristiger Vermögensungleichheit in Deutschland. Grundlage für die Ergebnisse sind historische Steuerdaten, Studien und Umfragen sowie Reichen-Rankings der letzten 125 Jahre. Der Vizekanzler und Bundesminister für Finanzen Olaf Scholz nahm die Studie heute in Berlin entgegen.

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander: Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Exzellenzclusters ECONtribute rund um ein Forschungsteam des Bonner Ökonomen Prof. Dr. Moritz Schularick. Seit der Wiedervereinigung wurde die obere Mittelschicht deutlich reicher – während die Armen weiter arm blieben. Seit 1993 konnten die reichsten 50 Prozent der Deutschen ihr Realvermögen verdoppeln, im Gegensatz dazu gewannen die ärmsten 50 Prozent jedoch fast nichts an Vermögen hinzu. Der Anteil der unteren 50 Prozent der Deutschen am Gesamtvermögen hat sich seit 1993 sogar fast halbiert.

Vor allem der Aktien- und Immobilienboom haben zu dieser Entwicklung geführt: Denn wer ein Haus, eine Wohnung oder andere Vermögenswerte besitzt – und vorher bereits genügend Vermögen auf der Seite hatte, um sich solches zu leisten – konnte im vergangenen Jahrzehnt von den gestiegenen Preisen profitieren. An den Haushalten der unteren Vermögensverteilung ist die Entwicklung nahezu vorbeigegangen.

Der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty Professor an der Paris School of Economics kommentierte die Studie in Berlin: „Es wird deutlich, dass die Wohlstandsunterschiede nach wie vor extrem hoch sind und seit den 1990er Jahren zugenommen haben. Der begrenzte Zugang zu Eigentum und wirtschaftlicher Teilhabe der unteren Bevölkerungshälfte sowie die große Konzentration von Reichtum und wirtschaftlicher Macht an der Spitze sollten Deutschland und Europa insgesamtSorgen bereiten.“

Das Auseinanderklaffen von Reich und Arm stützen weitere Zahlen: Während 1993 die oberen zehn Prozent der Haushalte im Mittel noch 50 Mal reicher waren als die unteren 50 Prozent, verdoppelte sich auch diese Zahl bis 2018.

„Für eine kluge und durchdachte Politik ist eine solide Bestandsaufnahme unabdingbar“, lobte Bundesfinanzminister Olaf Scholz die Studie am Donnerstag. „Mit der ersten umfassenden Langzeitstudie zur Entwicklung der Vermögensungleichheit in Deutschland leisten Moritz Schularick und seine Ko-Autoren einen wichtigen Beitrag zur wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Debatte. Sozialer Zusammenhalt kann nur gelingen, wenn alle am Wachstum und Erfolg unserer Gesellschaft teilhaben.“

Aktuelle Statistiken bewerten zudem das Gesamtvermögen der deutschen Haushalte zu niedrig. Insbesondere die vielen Kapitalgesellschaften sowie Quasi-Kapitalgesellschaften werden in Deutschland statistisch viel zu gering eingeschätzt. „Wenn man internationale Bewertungsmethodenanlegt, dann sehen wir, dass das deutsche Betriebsvermögen 2018 rund vier Billionen Euro und das Immobilienvermögen mehr als neun Billionen Euro betrug. Damit wurde das deutsche Betriebsvermögen um bis zu zwei Billionen Euro zu niedrig bewertet“, erläutert Studienautor Schularick die Ergebnisse.

ECONtribute: Einziger wirtschaftswissenschaftlicher Exzellencluster

Die Studie ist im Rahmen von ECONtribute entstanden. Es handelt sich dabei um den einzigen wirtschaftswissenschaftlichen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Exzellenzcluster – getragen von den Universitäten in Bonn und Köln. Der Cluster forscht zu Märkten im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Pressekontakt:

Katrin Tholen
ECONtribute: Markets & Public Policy Tel. +49 228 737808
E-Mail: katrin.tholen@uni-bonn.de

Kontakt zum Studienautor:

Prof. Dr. Moritz Schularick ECONtribute: Markets & Public Policy Tel. +49 228 737976
E-Mail: moritz.schularick@uni-bonn.de

Über ECONtribute: Markets & Public Policy

„ECONtribute: Markets & Public Policy“ ist bundesweit der einzige wirtschaftswissenschaftliche DFG-Exzellenzcluster. Er wird von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Universität zu Köln getragen. Der Cluster forscht zu Märkten im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Ziel von ECONtribute ist es, Märkte besser zu verstehen und eine grundlegend neue Herangehensweise für die Analyse von Marktversagen zu finden, die den sozialen, technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit, wie zunehmender Ungleichheit und politischer Polarisierung oder globalen Finanzkrisen, gerecht wird.

Vor diesem Hintergrund entwickelt ECONtribute einen neuen umfassenden und innovativen Ansatz, der gesellschaftliche Ziele über ökonomische Effizienz hinaus und neue Möglichkeiten der Politikgestaltung mit einbezieht. Der Cluster verfolgt einen interdisziplinären Ansatz: neben der Volkswirtschaftslehre sind auch benachbarte Disziplinen wie Recht, Psychologie, Neurowissenschaften und die Betriebswirtschaftslehre beteiligt. ECONtribute bildet so einen international führenden Forschungsstandort für wirtschaftswissenschaftliche Forschung im Bereich Public Policy.

Herunterladbare Inhalte:

Studie (Englisch)

Zusammenfassung der Studie (Englisch)

Zusammenfassung der Studie (Deutsch)

 

Fotos:

vL.n.R: Olaf Scholz, Bundesminister für Finanzen, Thomas Piketty, Professor an der Paris School of Economics, Moritz Schularick, Professor an der Universität Bonn sowie ECONtribute, Sarah Ryglewski, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Finanzen. Copyright: phototek, Xander Heinl

Moritz Schularick stellt die Studie im Bundesministerium für Finanzen vor. Copyright: phototek, Xander Heinl

 

 

 

 

 

 

 

Thomas Piketty kommentierte die Studie in Berlin. Copyright: phototek, Xander Heinl

ECONtribute Macro Week 2020

The ECONtribute Macro Week is a week-long meeting of international researchers to present and discuss their latest research. The research will focus on macroeconomic questions with an emphasize on the importance of distributional aspects for the macroeconomy. Most days will have two seminar presentations starting with a breakfast presentation by a local researcher and a lunch presentation by one of the other participants. The idea is to spur discussion and exchange about latest research and most time will be reserved for discussions and work on research projects. The goal is to provide a fruitful atmosphere for exchange and development of existing research and new research ideas in relationship to the research agenda of the ECONtribute cluster. This year the meeting will take place from June 29 to July 3 at the University of Bonn. The Macro Week is part of the research activities of the ECONtribute cluster. The participants of this year’s Macro Week are

• David Berger, Duke University
• Kyle Herkenhoff, New York Federal Reserve Bank
• Moritz Kuhn, University of Bonn and ECONtribute
• Ralph Lütticke, University College London
• Kurt Mitman, IIES Stockholm
• Benjamin Moll, London School of Economics
• Simon Mongey, University of Chicago
• Claudia Sahm, Center for Equitable Growth

For questions regarding the ECONtribute Macro Week, please contact Moritz Kuhn: mokuhn@uni-bonn.de

ECONtribute Macro Week 2020 Poster

ECONtribute Macro Week 2020 Schedule

Universitäten Köln und Bonn mit Exzellenzforschung zum Thema Marktversagen

Bonner General Anzeiger, 06.02.2019 | Martin Wein

„Ökonomen fragen im Bonner Exzellenzcluster ECONtribute, wann und wie politische Mandatsträger lenkend eingreifen müssen. Wie lässt sich ein Marktversagen in der Wirtschaft erklären? […] Dabei steht Schnabel und ihren Kollegen in den kommenden sieben Jahren ein Geldregen von schätzungsweise 30 Millionen Euro ins Haus – für das bundesweit einzige wirtschaftswissenschaftliche Exzellenzcluster ECONtribute gemeinsam mit der Universität Köln.“

ECONtribute: Markets & Public Policy funded as a Cluster of Excellence

ECONtribute: Markets & Public Policy, a joined proposal by the universities of Bonn and Cologne, is selected as a Cluster of Excellence in the German Excellence Strategy. ECONtribute succeeded as the only Cluster of Excellence in economics and receives funding over the next seven years. The research activities of ECONtribute will be bundled under the roof of the Reinhard Selten Institute.

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Seminar on Sequential Information Design hosted in Bonn and Cologne

On January 16 and 17 Laura Doval (California Institute of Technology) presented her work on Sequential Information Design in Cologne and Bonn. The seminar was part of the joint seminar series of the economics departments of the universities of Bonn and Cologne which hosts outstanding speakers at both locations.

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RSI Seed Funding Grants open for applications

For the first time, the Reinhard Selten Institute (RSI) offers Seed Funding Grants for excellent collaborative research projects in all areas of Economics.

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