Weltspartag: Geduldigere Menschen verdienen besser

Weltspartag am 30. Oktober: Bonn-Kölner Wirtschaftswissenschaftler haben Daten zu geduldigem Verhalten ausgewertet

Wer geduldiger ist, verdient und spart im Schnitt mehr. Dazu erziehen Institutionen und Aktionen wie der Weltspartag schon von klein auf. Forscher des Exzellenzclusters ECONtribute: Markets & Public Policy der Universitäten Bonn und Köln haben Daten zu geduldigem Verhalten aus 76 Ländern ausgewertet.

Einmal im Jahr das Sparschwein ausschütten, die angesparten Münzen auf der Bank abgeben und im Gegenzug Plüschtiere, Bücher oder andere Geschenke erhalten: Am Freitag ist es wieder so weit, der 30. Oktober ist Weltspartag. Er lehrt Kinder, sparsam mit Geld umzugehen und geduldig zu sein – „ein wichtiger Faktor für das spätere Haushaltseinkommen“, sagt Ökonom Prof. Dr. Thomas Dohmen, Forscher des Exzellenzclusters ECONtribute an der Universität Bonn. Gemeinsam mit Clustermitglied Prof. Dr. Armin Falk und fünf weiteren Wissenschaftlern, wertete er Daten zur Zeitpräferenz von 80.000 Menschen aus 76 Ländern aus. Das Ergebnis: Geduldigere Menschen verdienen durchschnittlich mehr.

Mehr Wohlstand in Ländern mit geduldigen Einwohnern
Unterschiede in der Geduld erklären etwa 40 Prozent der Differenzen im Pro-Kopf-Einkommen zwischen verschiedenen Ländern. Eine Faustregel: Die durchschnittliche Geduld nimmt, ausgehend vom Äquator, Richtung Norden zu und Richtung Süden ab. Auch innerhalb der Länder gibt es klare Unterschiede. Das Bildungslevel in Regionen mit geduldigeren Einwohnern ist im Schnitt höher und die Menschen verdienen mehr.
Personen, die geduldiger sind, sparen im Schnitt mehr, sind produktiver und investieren mehr Zeit in Bildung. Während bisherige Literatur bereits erforschte, dass ungeduldigere Individuen etwa öfter Arbeit herauszögern, mehr Drogen konsumieren oder schlechtere Noten schreiben, ist bisher wenig über die Auswirkungen von Geduld auf die gesamte Volkswirtschaft bekannt. Dabei ist geduldiges Verhalten einer der Hauptfaktoren für Produktivität, die wiederum das Einkommen bedingt.
Warum manche Menschen geduldiger sind als andere, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Verschiedene Institutionen, wie etwa politische Stabilität, Bildung oder freier Wettbewerb können allerdings dazu beitragen. Außerdem haben sich Verhaltensmuster meist über Generationen gefestigt.

Geduldiges Verhalten fördern
Volkswirtschaften profitieren langfristig von einem hohen Geduldslevel in der Bevölkerung. „Gute Entwicklungspolitik sollte immer darauf zielen, geduldiges Verhalten zu fördern“, sagt Thomas Dohmen, Professor bei ECONtribute. Also durch Bildung zu nachhaltigem Wirtschaften anregen, statt lediglich Geldhilfen zu zahlen. Der Weltspartag zeigt: Geduldiges Verhalten ist erlernbar.

Die Studie von Thomas Dohmen, Armin Falk, Uwe Sunde, Benjamin Enke, David Huffmann und Gerrit Meyerheim ist als Discussion Paper bei ECONtribute erschienen: https://selten.institute/RePEc/ajk/ajkdps/ECONtribute_035_2020.pdf

You can find the English Version of the press release here.

Förderung:
Die Arbeit erhielt finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und den Exzellenzcluster „ECONtribute“ der Universitäten Bonn und Köln, ebenfalls gefördert durch die DFG im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder.

ECONtribute: Einziger wirtschaftswissenschaftlicher Exzellenzcluster
Die Studie ist im Rahmen von ECONtribute entstanden. Es handelt sich dabei um den einzigen wirtschaftswissenschaftlichen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Exzellenzcluster – getragen von den Universitäten in Bonn und Köln. Der Cluster forscht zu Märkten im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Ziel von ECONtribute ist es, Märkte besser zu verstehen und eine grundlegend neue Herangehensweise für die Analyse von Marktversagen zu finden, die den sozialen, technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit, wie zunehmender Ungleichheit und politischer Polarisierung oder globalen Finanzkrisen, gerecht wird.

Inhaltlicher Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Dohmen
ECONtribute, Universität Bonn
Tel. +49 228 73 9303
t.dohmen@uni-bonn.de

Presse und Kommunikation:
Carolin Jackermeier
ECONtribute
Tel. +49 221 470 7258
jackermeier@wiso.uni-koeln.de

Katrin Tholen
ECONtribute
Tel. +49 228 737808
E-Mail: katrin.tholen@uni-bonn.de